Poesie und Poessie

Die Kinder kommen in die Schule und wir lernen schreiben. Im Kindergarten tun sich Abgründe auf. Rechtschreibabgründe. Kindergartenkinder schreiben doch noch gar nicht? Stimmt, aber deren Eltern schreiben immer mehr und mehr und mehr…..

Die Sommerferien sind nun vorbei und damit auch der Wechsel vom Kindergarten in die Schule. Die Vorschul- und Schulkinder verteilen fleißig ihre Freundschaftsbücher und die Eltern sitzen mit den drei- und fünfjährigen Kindern zuhause, drucken Fotos aus und bemühen sich auf Fragen wie „Was wünschst du mir?“
„Wem soll ich was wünschen?“
„Na der Clara, ihr gehört ja das Buch.“
„Warum?“
„Das ist die Frage hier…..also was wünschst du dir für sie?“
„Ich wünsche mir eine Ritterburg“
„Ok, also Ritterburg, schöne Idee. Ich schreibe du wünschst ihr eine Ritterburg“
„NEIN Ich wünsche MIR eine Ritterburg! Clara kann ja ein Buch haben!“

lustige und sinnvolle Antworten zu finden, die sie dann auf die vorgedruckten Linien schreiben können.

Und plötzlich sind sie da die Abgründe. Für jedermann sichtbar. Auf ewig auf Papier gebannt, im Regal verstaubt, jedoch niemals weggeschmissen:

Die Schreibfehler der Eltern!!!

Es wird ernst. Man merkt, dass eine enorme Verunsicherung darüber besteht, wie die deutsche Sprache geschrieben wird. Gerne wird das auf die Rechtschreibreform geschoben. Manchen ist es auch einfach egal. Der häufigste Fehler im Labyrinth der Freundesbücher ist die Frage, wie wird das Wort ,das/dass‘ geschrieben wenn dort steht:

Ich wünsche mir, ……….
…..DAß rote Auto, DASS du mir geklaut hast.! ! !!!ACHTUNG
…..schönes Wetter, DAß wünscht sich ja jeder.!! ALLES FALSCH!!!
…..DAS wir immer befreundet bleiben.

Auffrischung
MERKEN!
1.) Kann man das durch dieses, jenes, welches ersetzen, schreibt man es mit einem s.
Das betreffende Wort ist dann ein: Artikel, Relativpronomen, Demonstrativpronomen
DAS
2.) Funktioniert dies nicht, ist es eine Konjunktion mit ss.
DASS
das rote Auto, das du mir geklaut hast
das = Artikel, das = Relativpronomen
schönes Wetter, das wünscht sich ja jeder
das = Demonstrativpronomen
dass wir immer befreundet bleiben.
dass = Konjunktion

Das ,daß‘ mit Ässzätt ;) gibt es nicht mehr. Dies führte blöderweise zu dem Irrtum, dass angenommen wurde, dass es das ,scharfe s‘ also das ,ß‘ an sich nicht mehr existiert. Aber wer würde denn so grausam sein und diesen wunderschönen Buchstaben einfach aus dem deutschen Schriftsprachgebrauch entfernen? NIEMAND, genau. Und deswegen existiert das ,ß‘ genauso wie früher auch – nur eben nicht mehr als Wort daß. Es unterliegt wirklich sehr einfachen Regeln und deren Ausnahmen ;)

Man muss sie nur kennen und schon kann man es auch verwenden als wäre es nie anders gewesen. Keine Hexerei.

ß schreibt man, für einen stimmlosen s-Laut (also wie am Wortende bei ,Fuß‘):
– nach langem Vokal (dazu gehören auch die Umlaute ä,ü,ö)
– nach ei/eu/au

- Grüße, Fuß, Maß, Kloß
- heißen, schmeißen, außer

AUSNAHME!

Wenn der s-Laut in den Beugungsformen stimmhaft wird (Maus – Mäuse) und/oder ein
weiterer Konsonant folgt (meistens).

ss schreibt man, für eine stimmlosen s-Laut (also wie Fluss) nach kurzem Vokal:
- fassen, ihr fasst, fass!, missachten, Kuss, Küsse
LERNWÖRTER (denn Ausnahmen bestätigen die Regeln)
aus
heraus
etc.
das (Pronomen, Artikel)
was
des
wes
bis
etc.

s schreibt man bei Wörtern, die auf „-nis“ enden und bestimmten Fremdwörtern, auch wenn ihr Plural mit Doppel-s gebildet wird. (Für mich gehören sie eigentlich zu den Lernwörtern. Das darfst du aber selbst entscheiden. Je nachdem wie du es dir besser merken kannst.)

- Zeugnis (trotz: Zeugnisse)
Hindernis (trotz: Hindernisse)
Bus (trotz: Busse)

Die Regeln gelten übrigens nicht für Namen jeglicher Art. Hier gibt es keine Garantie. Man darf sich selbst „aussuchen“ wie der eigene Name gesprochen oder geschrieben wird. Sowohl geografisch als auch personenbezogen kann es da zu Abweichungen kommen. Aber das wird wohl im Poesiealbum im Kindergarten oder der Grundschule nicht so eng gesehen werden.

 

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