Phona…was

This is how we do it…..
Es ist schon merkwürdig, dass wir über etwas, das wir ständig tun, so wenig wissen. Man bekommt es ja auch nie erklärt. Also weder von den Eltern, noch im Kindergarten noch in der Schule oder in der Ausbildung sagt uns jemand wie wir die Stimme einsetzen könnten. Oder gar wie sie funktioniert. Klar lernen wir sprechen, aber wie das alles funktioniert? Ich bin mir unsicher ob ich das jemals in Biologie gelernt habe. Vermutlich wurde der Kehlkopf benannt und vielleicht auch, dass darin die Stimmbänder liegen. Die schwingen dann und so spricht man. Was kann daran schon interessant sein.

WAS DARAN INTERESSANT SEIN KANN?!?!?!

Na alles natürlich!!! Das ist doch mein Beruf und meine Passion! Also dann passen Sie mal auf, was da alles so passiert und passieren kann, damit man eine richtig toll klingende Stimme hat.
Achtung ich lege los:

Erster Teil – Atmung:

Am Anfang war das Leben ;) und alles Leben beginnt mit Atmung. Also stellen Sie sich vor, dass die Atmung der Grundstein ihrer Stimme ist. Der Brustkorb und die Lungen, die vom Brustkorb geschützt werden bilden die Grundlage einer gesunden und gut klingenden Stimme. Die Luft wird durch die Luftröhre gepresst. Dabei ist die Ausatmung ein passiver Prozess. Durch die Einatmung werden die Zwischenrippenmuskeln gedehnt und der Brustraum weitet sich. Die Rückstellkräfte der Zwischenrippenmuskeln und das Gewicht des Brustkorbes führen dazu, dass der Brustkorb auf die Atemorgane drückt und die Luft durch den einzigen Weg, die Luftröhre, nach Außen strömen lässt. Auf der Luftröhre liegt der Kehlkopf.

Zweiter Teil – Kehlkopf:

Der Kehlkopf ist ein knorpeliges Gebilde, indem die Stimmbänder liegen. Sie werden aufgrund ihres Aussehens auch Stimmlippen genannt. Sie bestehen aus Muskeln, die von Schleimhaut umgeben sind. Das ist genau der Grund, warum sich Hormone, Krankheit, Stress, Wachstum, Allergien etc. immer direkt auf die Stimme auswirken. Abhängig von der Masse, also von Dicke und Gewicht der Stimmlippen und der Schleimhäute, sind die Schwingungseigenschaften und der damit verbundene Stimmklang. Die Luft aus den Lungen presst also die aneinander liegenden Stimmlippen auseinander. Diese öffnen sich von unten nach oben. Dies tun sie bei Frauen ca. 200 mal die Sekunde, man spricht von einer Frequenz von 200 Hz (Hertz), bei Männern ca. 100 mal = 100 Hz. (In der älteren Literatur geht man bei Frauenstimmen von 220Hz – 240 Hz aus, bei Männern spricht man von 90Hz- 120Hz, in allen meinen Untersuchungen bewegte sich der Stimmpegel allerdings höher, daher meine Angaben.) Je häufiger die Stimmlippen auf und zu gehen desto höher ist der Ton der entsteht. Stellt man sich die Stimmlippen einmal wie die Saiten einer Gitarre vor, dann erkennt man schnell einige wichtige (physikalische) Fakten:

1.) Dickere und lange Saiten schwingen langsamer und klingen dadurch tiefer.
2.) Dünnere und kürzere Saiten schwingen schneller und klingen dadurch heller.
3.) Ungespannte Saiten schwingen nicht gleichmäßig, deswegen klingen sie kaum
resonant. Sie haben einen federnden unregelmäßigen Klang.
4.) Zu stark gespannte Saiten klingen schrill und blechern, wie kurz vor dem Zerreißen.
5.) Kaltes Material schwingt nicht so gut wie warmes.

Dritter Teil – All together now / und jetzt alle zusammen:

Um zu einem unangestrengten und wohklingenden Stimmklang zu gelangen sollte die
Atmung mit ausreichend aber nicht zuviel Druck auf die Stimmbänder treffen. Im besten Fall, sind diese:
– ausreichend befeuchtet (genug trinken),
– warm (eingesprochen),
– ohne negative äußere Einflüsse (kein Alkohol, Zigarreten, kein schlafen mit offenem Mund etc.) „schwingbereit“ und lassen sich vom Lungenluftstrom in Schwingung versetzen. (Ich erkläre hier natürlich den Idealfall. Auch als Raucher und gerade auch nach einer durchzechter Nacht gibt es Tipps und Tricks um das Stimmbild auch kurzfristig gesellschaftsfähig zu machen.)

Die so entstandenen Schwingungen werden durch die Form, Länge und Größe des Rachen- und Mundraums, der Zähne und Zunge geformt und führen so zu dem für einen Menschen charakteristischen Stimmklang.

Tadaaaa: So also entsteht unsere Stimme. Ich freue mich wenn Sie bis hierhin durchgehalten haben. Der nächste logische Schritt ist nun – wie man als wissenschaftlich sagen würde: die Überformung der Stimme durch Einsatz der Artikulatoren – oder einfacher: Das Sprechen!
Dazu gibt es in Kürze dann aber einen eigenen Blogeintrag.

Auf dem Weg der Stimmgebung (auch: Phonation) gibt es natürlich vielerlei mögliche Hürden. Durch Krankheit, oder Hormonwechsel aber auch einfach durch äußere Faktoren verändert sich der menschliche Körper. Dadurch auch die Schleimhäute, die Atemleistung, die muskuläre Anspannung etc. Einfach alle Faktoren, die zur Stimmbildung beitragen, können starken Schwankungen unterliegen. Aber mit ein wenig Übung können Sie diese auch in den Griff bekommen.

Jetzt mal im Ernst: WAR DAS NICHT EINFACH WAHNSINNIG INTERESSANT?!?!? ;)

 

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