Ich klinge wie ich und du wie du

Zum Verwechseln ähnlich imitiert…..

„Mensch, du klingst ja wie deine Mutter!“, „Bei euch weiß man nie wer am Telefon ist!“….man kennt diese Sprüche. Noch vor dem Stimmbruch oder dem Stimmwechsel der Mädchen klingen die Kinder wie ihre Eltern – meist wie ihre Mütter.
Woran liegt das nur? Sind unsere Stimmen vererbt?

Dem Ganzen liegt ein wirklich interessantes Phänomen zugrunde. Die Gesamteindruck einer Stimme, ist wie ein Puzzle zusammengesetzt aus unterschiedlichen Teilen. Diese Teile, die ich als Faktoren bezeichnen möchte, sind zum Beispiel: Sprechgeschwindigkeit, Artikulation, Intonation also Sprechmelodie, aber auch Pausenverhalten. Bei den Pausen ist wichtig, was genau innerhalb passiert; wird geatmet und wenn ja: laut oder leise, kurz und schnell oder langsam und lautstark? Gibt es Schmatzgeräusche innerhalb der Pausen oder hört man ein sich stetig wiederholendes Schluckgeräusch? Oder nutzt der Sprecher die sprachliche Pausen um zu überlegen und verwendet in dieser Zeit Hesitations- also Verzögerungslaute, wie zum Beispiel ,äh‘, ,öhm‘, ,mmmhhh‘ o.ä.?

Aus der Komposition dieser Faktoren entsteht bei uns als Zuhörer ein Gesamteindruck der Stimme. Besonders markant ist dabei die Sprechmelodie eines Sprechers. Diese wird im Laufe des Sprechenlernens von den Eltern abgeguckt und ist dazu noch regional geprägt. Für gewöhnlich gibt es also innerhalb einer Familie eine bestimmte Art und Weise des Sprechens, die bei allen Familienmitgliedern ähnlich ist.

So funktioniert das übrigens auch bei Stimmimitatoren. Eigentlich ist das auch logisch. Kein Stimmenimitator kann stets die exakte Tonhöhe einer bekannten Persönlichkeit treffen. Die Kunst der Imitation liegt darin, zu erkennen welcher dieser Parameter für den Stimmklang der nachzuahmenden Person wesentlich ist. Ganz zu Beginn meines Studium habe ich mit einer Studienkollegin die Stimmen von Imitatoren und ihren Originalen untersucht. Wir waren total aufgeschmissen, weil kaum ein physikalisch messbarer Parameter überein gestimmt hat. Im Nachhinein ist das Ergebnis natürlich nicht so erstaunlich. Wenn man weiß wie Stimme funktioniert (siehe auch hier) ist auch klar, dass sich ein Stimmklang nicht nachahmen lässt. Die anderen Merkmale jedoch schon.

Ein ähnlicher akustischer Eindruck wird also nicht vererbt, aber angewöhnt. Dabei klingen Jungs auch schonmal wie ihre Mütter.

Was die Tonhöhe angeht, gilt dummerweise das gleiche Prinzip. Häufig erkennt man das bei kleinen Jungs, die ungewöhnlich hoch sprechen. Das kann natürlich allerlei Ursachen haben, Scham, Anspannung, emotionale Erregtheit, Aufregung, Angst, Freude…..alles was zu einer muskulären Anspannung führt, kann die Frequenz der Stimme erhöhen. Aber eben auch Nachahmung.

Wenn die Bezugspersonen dauerhaft ihre Stimme anheben wenn sie mit ihren Kindern sprechen, dann kann es passieren, dass die Kinder dies nachahmen. Und die Bezugspersonen machen dies meist gar nicht bewusst.
Die Annahme liegt nahe, dass dies dazu führt, dass viele erwachsene Sprecher nicht in ihrer eigenen Sprechstimmlage sprechen.

Das muss aber nicht so sein und bleiben. Niemand ist ein Opfer seiner Stimme und Stimmtraining ist kein Hexenwerk – es macht sogar Spaß!

Dennoch kann man dem Ganzen ein Gutes auf jeden Fall abgewinnen. Die Tendenz zur Nachahmung haben wir alle. Ob wir wollen oder nicht. Wir ahmen aber nur nach, womit wir uns wohl und geborgen fühlen. Wir müssen ein positives Gefühl haben, damit wir die Sprechweise unbewusst imitieren. Wenn also unsere ganze Familie „irgendwie gleich“ klingt – na dann sind wir untereinander doch bestens aufgehoben.

 

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