Deutschland deine Dinger

Australien hat ,THINGS‘, wir haben ,Dinger‘. Genauer gesagt haben die Australier BIG THINGS (große Dinger) wir haben ZEUGE

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By BrisbanePom [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Verrückt wie die Australier so sind, haben sie überall im Land verteilt große Dinger stehen:

einen gigantischen Schrimp,

eine riesigen Widder

eine riesigen Pinguin

eine gigantische goldene Gitarre

eine gigantische Ananas

eine riesige Mango……

Ich will gar nicht aufhören sie aufzuzählen und ich kann mich nicht entscheiden, was ich am Tollsten finde. Jetzt fragt ihr euch zu recht: Und was haben wir?! Wir haben Zeuge?

Meine Freundin Carly aus Australien kam mich vor geraumer Zeit besuchen und fragte mich in ihrem wundervollen Singsang: „Vivi, was ist das mit eurer Sprache? Warum habt ihr so viele ,things‘?“ Ich habe es gar nicht verstanden. ‘Things’? Ich dachte sie redet von den Leuten, die immer nicht wissen, was sie sagen sollen und dann ständig “äh Dings….” sagen. Aber nein, sie meinte thing – Ding – Zeug.

Aus ihrer Sicht und aus ihrer Sprache, also der englischen Sprache, gibt es für diese Endung kaum einen Grund. Wenn man unsere Wörter wieder zurück ins Englische übersetzt, dann wird klar, was meine Freundin gedacht hat:

  • lighter = Feuerzeug = Fire-thing
  • toy = Spielzeug = play-thing
  • plane = Flugzeug = flying-thing
  • tool = Werkzeug = working-thing
  • vehicle = Fahrzeug = driving-thing
  • drums = Schlagzeug = hitting-thing

und so weiter und so fort. Gerade die englischen Äquivalente zeigen, wie hübsch unsere deutsche Sprache die Kompositabildung nutzt, um Dingen einen wunderschönen langen Namen zu geben. Eine inhaltslose Wortendungs-hülse. Und doch so liebgewonnen. Das Wort, das übrigens  [t͜sɔɪk] = tsoikk und nicht tsoich (ch wie in ich) ausgesprochen wird. Zu seiner Herkunft gibt es nicht allzu viel zu sagen. Der Duden erklärt:

Das altgermanische Wort entwickelte sich durch das mittelhochdeutsche [ge] zuic, das althochdeutsche [gi]ziuch, das niederländische tuig und das schwedische tyg. Es bedeutete eigentlich „Mittel zum Ziehen“. Und wie das bei der Entstehung der Sprache immer so ist, fällt nach und nach einiges weg und so entwickelten sich dann die Bedeutungen, „Mittel, Gerät, Stoff, Vorrat“. (Weiter noch im Duden: Seit dem 18. Jahrhundert wird „Zeug“ auch abwertend im Sinne von „Kram, Plunder“ verwendet.)

Warum auch immer das Deutsche uns diese wunderschöne Endungskreation beschert hat, aus diesem einfachen Grund mag ich es. Weil es mich an den sehr lustigen Tag erinnert, an dem mir Carly von Australiens Big Things erzählt hat.

So einfach verhält es sich manchmal mit meiner Liebe zur Sprache!

 

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